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Die Kaukasiendeutschen

Schwäbische Dörfer bei Tiflis und in Aserbaidschan, Kolonien im Nordkaukasus: wie die Deutschen in den Kaukasus kamen und warum ihre Geschichte dort 1941 abbrach.

SiedlungsgebieteStand September 2026Lesezeit 3 Minuten

Aufbruch aus Württemberg

Die ersten Deutschen im Kaukasus waren religiöse Auswanderer. Schwäbische Pietisten, die sich von der Landeskirche getrennt hatten, erwarteten das nahe Ende der Welt und suchten einen Zufluchtsort im Osten. Zar Alexander I. erlaubte ihnen im Mai 1817 die Ansiedlung. Zwischen 1817 und 1819 zogen etwa 2.629 Menschen nach Georgien, die ersten erreichten es im Dezember 1817.1

Die Kolonien bei Tiflis und in Aserbaidschan

Rund 500 Großfamilien gründeten 1818 acht Kolonien bei Tiflis, darunter Katharinenfeld, Marienfeld, Elisabethtal, Alexandersdorf und Petersdorf. Später kamen Tochterkolonien wie Freudenthal 1842 und Alexanderhilf 1857 dazu.1 1819 gründeten 194 schwäbische Familien Helenendorf, das heutige Göygöl in Aserbaidschan. Bald darauf entstand Annenfeld am Fluss Schamchor.1

Die Kolonien lebten von Landwirtschaft, Weinbau und Handel, Helenendorf wurde für seinen Wein und Weinbrand bekannt.2 Katharinenfeld, heute Bolnissi in Georgien, hieß ab 1921 Luxemburg und erhielt 1944 den Namen Bolnissi.1

Der Nordkaukasus

Nördlich des Gebirges entstanden deutsche Dörfer vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Viele gründeten Familien aus den Kolonien an der Wolga und am Schwarzen Meer, die neues Land suchten.

Einen eigenen Weg nahm Gnadenburg. 1880 ließen sich dort die ersten 17 Familien nieder, offiziell gegründet wurde die Kolonie mit dem Landkauf am 15. Mai 1881. Organisiert hatte das der bayerische Pfarrer Samuel Gottfried Christoph Cloeter. 1882 lebten in Gnadenburg 52 Familien, 1941 etwa 900 Menschen.1

Sowjetzeit und Deportation 1941

Nach der Sowjetisierung wurden die Kolonien kollektiviert und die Kirchen geschlossen. 1935 wurden 600 Deutsche aus Aserbaidschan nach Karelien deportiert. In Katharinenfeld, damals Luxemburg, wurden 352 Bewohner verhaftet, verschleppt oder ermordet.1

1941 lebten in Georgien über 24.000 und in Aserbaidschan über 23.000 Deutsche. Auf einen Beschluss vom 8. Oktober 1941 hin, der die Umsiedlung der Deutschen aus Georgien, Armenien und Aserbaidschan anordnete, wurden zwischen dem 15. Oktober und dem 12. November 1941 über 45.000 Kaukasiendeutsche nach Kasachstan und Sibirien deportiert.1 Auch die Deutschen im Nordkaukasus wurden 1941 deportiert. Bis 1955 durften sie die Orte der Verbannung nicht verlassen.1

Quellen für die Familienforschung

  • Herkunft in Württemberg: Die Auswanderer von 1817 bis 1819 kamen vor allem aus Württemberg. Ihre Herkunftsorte lassen sich oft in den dortigen Kirchenbüchern und Auswandererakten bestätigen.
  • Archive in Tiflis und Baku: Akten der Kolonialzeit liegen in den Archiven Georgiens und Aserbaidschans.
  • Akten nach 1941: Transportlisten und Akten der Sondersiedlung liegen in Kasachstan und Russland, wie bei den Wolgadeutschen. Mehr dazu im Artikel über die Deportation von 1941.
  • Literatur: zu Helenendorf und den Kolonien in Aserbaidschan Eva-Maria Auch,2 zu allen Siedlungsgebieten der Sammelband Deutsche im Kaukasus.3

Ob sich Ihre Familie in den Kolonien im Kaukasus nachweisen lässt, klärt die kostenlose Ersteinschätzung. Für Vorfahren mit Namen und Daten gibt es die Einzelfallrecherche.

Quellen und Anmerkungen

  1. Wikipedia, Artikel „Kaukasiendeutsche“, de.wikipedia.org, abgerufen im September 2026.
  2. Eva-Maria Auch: Öl und Wein am Kaukasus. Wiesbaden 2001.
  3. Florian Hertsch, Mutlu Er (Hrsg.): Deutsche im Kaukasus. Hamburg 2017.