Die Listen der Ansiedlung
Grundlage der Ansiedlung war das Manifest Katharinas II. vom 22. Juli 1763. 1769 waren in den Wolgakolonien 23.109 Siedler registriert.1 Auf dem Weg an die Wolga und bei der Ankunft wurden die Kolonisten Familie für Familie erfasst. Die Transportlisten und die Erstansiedlerliste von 1767 nennen je nach Eintrag Namen, Alter, Konfession, Beruf, die mitgebrachte Habe und oft den Herkunftsort in Deutschland.2 Für die Familienforschung sind sie die Brücke zurück in die deutschen Herkunftsorte.
Die Revisionslisten
Revisionen waren Steuerzählungen des Russischen Reiches. Für die Wolgakolonien liegen Zählungen aus den Jahren 1767, 1775, 1798, 1811, 1816, 1834, 1850 und 1857 vor.3 Sie führen die Familien nach Höfen auf, mit Namen und Alter, und zeigen, wer zugezogen, weggezogen oder gestorben ist. Oft fehlen die Mädchennamen der eingeheirateten Frauen.
Geführt wurden die Listen auf Russisch. Deutsche Namen stehen deshalb in kyrillischer Umschrift, aus Pflaum wird etwa Флаум. Wie solche Umschriften entstehen, erklärt der Artikel Deutsche Namen in russischen Akten. Die allgemeine Volkszählung von 1897 ist für die Wolgakolonien größtenteils verloren.3
Die Kirchenbücher
Die Gemeinden führten ihre Kirchenbücher auf Deutsch, in Kurrentschrift: Taufen, Trauungen und Sterbefälle, oft mit Eltern, Paten und Herkunftsangaben. Wie viel erhalten ist, unterscheidet sich stark von Kolonie zu Kolonie. Für manche Dörfer liegen Jahrzehnte an Einträgen vor, für andere fast nichts.4
Wo die Bestände liegen
Die Akten der Wolgakolonien liegen vor allem im Staatlichen Archiv des Gebiets Saratow und in seiner Filiale in Engels, dem früheren Zentralarchiv der Wolgarepublik. Für die südlichen Kolonien um Kamyschin verwahrt das Archiv in Wolgograd Kirchenbücher und Zählungen.4 Die Archive beantworten Anfragen in eigener Regie, feste Bearbeitungszeiten gibt es nicht.
Einbürgerungsakten in Deutschland
Für Familien vom Schwarzen Meer und aus Wolhynien ist ein Bestand in Deutschland oft die reichste Quelle: die Akten der Einwandererzentralstelle. Sie wurde im Oktober 1939 gegründet und war für Umsiedlung und Einbürgerung volksdeutscher Umsiedler zuständig. Die personenbezogenen Unterlagen liegen heute im Bundesarchiv in Berlin, Bestand R 69, und enthalten oft Stammblätter, Lebensläufe, Fotos und Ahnentafeln.5
Wolgadeutsche finden sich dort kaum, weil sie 1941 bereits deportiert waren. Da die Akten im Rahmen nationalsozialistischer Prüfungen entstanden, müssen sie kritisch gelesen werden.
Akten aus der Zeit nach 1941
Zu Deportation, Arbeitsarmee und Sondersiedlung gibt es Transportlisten, Personalakten der Sondersiedler und später Rehabilitierungsunterlagen. Sie liegen in Archiven in Russland und Kasachstan, meist am Ort der Verbannung. Mehr dazu im Artikel über die Deportation von 1941.
Welche dieser Quellen für Ihre Familie erhalten ist und was sie über Ihre Vorfahren sagt, klärt eine Einzelfallrecherche.
Quellen und Anmerkungen
- Bundeszentrale für politische Bildung: Von der Anwerbung unter Katharina II. bis 1917, bpb.de.
- Igor Pleve: Einwanderung in das Wolgagebiet 1764 bis 1767. Göttinger Arbeitskreis, mehrere Bände, ab 1999.
- Übersicht der überlieferten Zählungen der Wolgakolonien nach der Fachliteratur; Stand September 2026.
- Angaben zu den Beständen nach Veröffentlichungen des Historischen Forschungsvereins der Deutschen aus Russland.
- Bundesarchiv: Bestand R 69, Einwandererzentralstelle, Bestandsbeschreibung.