A bis K
Arbeitsarmee
Zwangsarbeit für Russlanddeutsche ab Januar 1942, zunächst für Männer von 17 bis 50 Jahren, ab Oktober 1942 für Männer von 15 bis 55 und Frauen von 16 bis 45 Jahren. Aufgelöst 1946 und 1947. Russisch Trudarmee. Mehr
Aussiedler und Spätaussiedler
Deutsche aus Osteuropa und der früheren Sowjetunion, die nach Deutschland kamen. Der Begriff Spätaussiedler gilt seit dem 1. Januar 1993.
Bergseite
Das hohe, westliche Ufer der Wolga mit den Kolonien im damaligen Gouvernement Saratow, etwa Balzer, Norka oder Frank.
Erlass vom 28. August 1941

Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR über die Umsiedlung der Deutschen aus dem Wolgagebiet. Er unterstellte der gesamten deutschen Bevölkerung Spionage und Sabotage, ohne einen einzigen Beleg, und löste die Wolgarepublik auf. Abgedruckt wurde er unter anderem in der Zeitung „Bolschewik“ in Engels. Der 28. August ist heute Gedenktag der Russlanddeutschen. Mehr
Erstansiedlerliste
Die Zählung der Kolonisten von 1767, zugleich die dritte Revision des Russischen Reiches. Sie nennt oft den Herkunftsort in Deutschland.
Einwandererzentralstelle
Dienststelle ab Oktober 1939 für Umsiedlung und Einbürgerung volksdeutscher Umsiedler. Ihre Akten liegen im Bundesarchiv, Bestand R 69, und sind wichtig für Familien vom Schwarzen Meer und aus Wolhynien.
Hungersnot 1921 und 1922
Nach Dürre, Missernte und den Getreidezwangsabgaben des Bürgerkriegs hungerte 1921 und 1922 das gesamte Wolgagebiet. Das Gebiet der Wolgadeutschen gehörte zu den am schwersten getroffenen Regionen, rund 150.000 Wolgadeutsche kamen ums Leben. Viele Familien flohen, einige bis nach Deutschland, wo Lager wie Schneidemühl sie aufnahmen. Bricht eine Familienlinie um 1921 ab oder taucht sie plötzlich in einem anderen Ort auf, kann die Hungersnot die Erklärung sein. Mehr


Kanton
Verwaltungseinheit der Wolgarepublik von 1924 bis 1941, etwa die Kantone Balzer, Frank, Marxstadt oder Mariental.
Kirchspiel
Pfarrbezirk einer Konfession. Zu einem Kirchspiel gehörten oft mehrere Kolonien, der Pfarrer saß in einer davon und betreute die übrigen mit. Die Kirchenbücher mit Taufen, Trauungen und Sterbefällen wurden je Kirchspiel geführt. Wer einen Eintrag sucht, muss daher wissen, zu welchem Kirchspiel das Dorf der Familie gehörte. Mehr
Kommandantur
Behörde, die die deportierten Deutschen als Sondersiedler überwachte. Aufgehoben durch Erlass vom 13. Dezember 1955.
M bis Z
Manifest von 1763
Einladung Katharinas II. vom 22. Juli 1763 an ausländische Siedler, Grundlage der Ansiedlung an der Wolga.
Mutterkolonie
Eine der Kolonien der ersten Ansiedlung von 1764 bis 1767, meist mit 104 angegeben. Verzeichnis
Rehabilitierung
Rücknahme der Vorwürfe von 1941 in Schritten: Teilrehabilitierung 1964, freie Wohnortwahl 1972, Gesetz über die Rehabilitierung der repressierten Völker 1991.
Revisionsliste
Steuerzählung des Russischen Reiches, für die Wolgakolonien aus den Jahren 1767 bis 1857 überliefert. Geführt auf Russisch, mit Familien, Namen und Alter. Mehr
Sondersiedler
Deportierte Deutsche, die ihren Verbannungsort ohne Erlaubnis der Kommandantur nicht verlassen durften, bis 1955.
Strafakte
Akte zu einem Strafverfahren der sowjetischen Geheimpolizei, russisch archiwnoje ugolownoje delo. Sie enthält Verhöre, Urteil und oft ein Foto, das nach der Verhaftung aufgenommen wurde. Die Akten politisch Verfolgter liegen meist in den Archiven des FSB. Bei Rehabilitierten können Angehörige Einsicht beantragen und Kopien erhalten. Beispiel
Tochterkolonie

Später gegründetes Dorf, ab 1848 vor allem in den Steppengebieten, besiedelt von Familien aus den Mutterkolonien.
Vatersname
Russischer Namensbestandteil, gebildet aus dem Vornamen des Vaters. Spätaussiedler können ihn nach § 94 BVFG ablegen. Mehr
Wiesenseite
Das flache, östliche Ufer der Wolga mit den Kolonien im damaligen Gouvernement Samara, etwa Katharinenstadt, Mariental oder Lauwe.
Wolgarepublik

Autonome Republik der Wolgadeutschen von 1924 bis 1941, hervorgegangen aus der Arbeitskommune von 1918. Hauptstadt war Pokrowsk, das 1931 in Engels umbenannt wurde.