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Die Wolhyniendeutschen

Deutsche Dörfer im Nordwesten der heutigen Ukraine: wer dort siedelte, warum so viele Familien weiterzogen und wo ihre Spuren heute liegen.

SiedlungsgebieteStand September 2026Lesezeit 3 Minuten

Wo Wolhynien liegt

Wolhynien ist eine Landschaft im Nordwesten der heutigen Ukraine, zwischen den Sümpfen am Pripjat im Norden und Podolien im Süden. Im Russischen Reich bildete sie das Gouvernement Wolhynien mit der Hauptstadt Schytomyr. Anders als an der Wolga oder am Schwarzen Meer kamen die Deutschen hier nicht auf Einladung des Zaren. Sie siedelten teils als Eigentümer auf früherem Gutsland, vielfach aber als Pächter.1

Ansiedlung

Als Erste ließen sich um 1815 Mennoniten nieder, aus Westpreußen und aus der Pfalz. Ab 1831, nach dem polnischen Novemberaufstand, kamen Deutsche aus Kongresspolen dazu.1 Die große Welle folgte nach der Aufhebung der Leibeigenschaft 1861, als Gutsbesitzer Land an Siedler verpachteten und verkauften. Zwischen 1860 und 1895 kamen besonders viele.1

Die Volkszählung von 1897 zählte im Gouvernement Wolhynien 171.331 Deutsche, 5,73 Prozent der Bevölkerung.3 Um 1914 lebten rund 250.000 Deutsche in mehr als 300 Kolonien.1 Die meisten waren lutherisch, daneben gab es Baptisten und Mennoniten.

Druck und Weiterwanderung

Ab den 1880er Jahren wuchs der Druck. Neue evangelische Gemeinden durften nicht mehr gegründet werden, und in den Schulen wurden russische Lehrer vorgeschrieben.1 Viele Familien zogen weiter, nach Kanada, in die USA und nach Brasilien, andere nach Sibirien. Wer heute Vorfahren in Wolhynien sucht, findet Verwandte deshalb oft auf mehreren Kontinenten.

Deportation im Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg galten die Deutschen im Grenzgebiet als unzuverlässig. 1915 wurde ein großer Teil der Wolhyniendeutschen ins Innere des Zarenreichs deportiert, unter hohen Verlusten an Menschenleben.1 Höfe und Vieh mussten zurückbleiben. Wer überlebte, kehrte oft erst nach Kriegsende zurück.

Zwischen Polen und Sowjetunion

1921 wurde Wolhynien geteilt. Der Westen kam an Polen, der Osten mit Schytomyr an die Sowjetukraine. Um 1924 lebten dort noch etwa 120.000 Deutsche.1 Im sowjetischen Teil folgten Kollektivierung, Hungersnot und Verhaftungen.

Umsiedlung 1939 bis 1944

Nach der sowjetischen Besetzung Ostpolens 1939 wurden die Deutschen aus dem polnischen Teil Wolhyniens zusammen mit den Galiziendeutschen in den Warthegau umgesiedelt.1 Die Deutschen im sowjetischen Teil erlebten ab 1941 die deutsche Besatzung. Von Oktober 1943 bis Mai 1944 wurden etwa 44.600 von ihnen über Białystok ebenfalls in den Warthegau gebracht.1 1945 flohen sie weiter nach Westen oder wurden in die Sowjetunion zurückgebracht. An ihre Geschichte erinnert seit 1992 das Wolhynier Umsiedlermuseum in Linstow in Mecklenburg.1

Quellen für die Familienforschung

  • Einbürgerungsakten der Einwandererzentralstelle im Bundesarchiv, Bestand R 69: Die meisten Familien, die 1939 und 1940 oder 1943 und 1944 umgesiedelt wurden, gingen durch diese Behörde. Die Akten enthalten oft Stammblätter, Lebensläufe, Fotos und Ahnentafeln.4
  • Kirchenbücher: Die lutherischen Gemeinden schickten von 1833 bis 1885 Abschriften ihrer Einträge an das Konsistorium in Sankt Petersburg.
  • Staatsarchiv des Gebiets Schytomyr: Bestände zum früheren Gouvernement Wolhynien.
  • Polnische Kirchenbücher: Da viele Familien aus Kongresspolen kamen, führt die Spur oft über dortige Gemeinden des 19. Jahrhunderts.
  • Literatur: Nikolaus Arndt, Die Deutschen in Wolhynien.2

Aus welcher Kolonie Ihr Name stammt, klärt der Herkunftsbericht. Für Vorfahren mit Namen und Daten, etwa aus den Einbürgerungsakten, gibt es die Einzelfallrecherche.

Quellen und Anmerkungen

  1. Wikipedia, Artikel „Wolhyniendeutsche“, de.wikipedia.org, abgerufen im September 2026.
  2. Nikolaus Arndt: Die Deutschen in Wolhynien. 1994.
  3. Erste allgemeine Volkszählung des Russischen Reiches 1897, Ergebnisse für das Gouvernement Wolhynien.
  4. Bundesarchiv: Bestand R 69, Einwandererzentralstelle, Bestandsbeschreibung.